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Sonntag der Dreizehnte | 1 Besucher online |
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Ralph Schüller

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Die Stadt

Die Straßenbahn fährt an und niemand bleibt zurück
Ein Schatten streift den halbgetauten Schnee
Zwei Taxifahrer gähnen mit der Zeitung vor dem Mund
Im Fenster nickt ein Mann aus Pappmasché

Das Kaufhaus ist geöffnet, die Imbißbude brennt
Das dritte Mal im Winterschlußverkauf
An der Flaschenannahme steht eine alte Dame
Sie räuspert sich und sieht an mir herauf

Bis morgen ist es nicht mehr lange
Bis übermorgen nur ein Katzensprung
Bis morgen ist es nicht mehr lange
Und früher bleibt Erinnerung

Die Hunde knurren, die Herrchen trinken Bier
Auf den Stufen liegt ein eingeschweißtes Brot
Die Kleinanzeigenwand, beklebt bis an den Rand
Ein Mann sucht eine Frau, dick und devot

Links der Friedhof, rechts die Gärtnerei
Das Sonnenstudio gradeaus umstellt von Polizei
Keiner weiß warum, bringt sie ihn jetzt um
Oder macht sie sich für immer frei

Bis morgen ist es nicht mehr lange
Bis übermorgen nur ein Katzensprung
Bis morgen ist es nicht mehr lange
Und früher bleibt Erinnerung

Die Bäume stehen still, die Rathausuhr schlägt
Die Ampel schaltet schnell von Gelb auf Rot
Am Himmel Ballons, alle starren nach oben
Am Bahnhof eine Spur aus Hundekot

Die kostenlose Zeitung im Treppenhaus
Ein Stapel wie ein fremdes Tier
Jede Nacht wird ein Feuer entfacht
Denn wer wir sind, sind nicht wir

Bis morgen ist es nicht mehr lange
Bis übermorgen nur ein Katzensprung
Bis morgen ist es nicht mehr lange
Und früher bleibt Erinnerung

[1997/8]

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